Sie gilt als Hölle aus Papier und Paragrafen: die Bürokratie. Ein Kampfbegriff ist dieses Wort, und das nicht erst, seit die Bundesregierung dem „Bürokratie-Burnout“ zu Leibe rückt mit dem „Bürokratieentlastungsgesetz“. Am Donnerstag wurde es im Bundestag beschlossen. Nur – was genau soll da eigentlich bekämpft werden? Eine Krankheit, so beschrieb schon im 18. Jahrhundert der französische Marquis Vincent de Gournay die bureaumanie. Der Kaufmannssohn und Ökonom kämpfte gegen das Wuchern staatlicher Vorschriften, die den freien Getreidehandel zu erdrosseln drohten. Dabei war das bureau ursprünglich ganz harmloser Natur, ein mit Filz bespannter Zahltisch, dessen Wortstamm auf das lateinische burra zurückgeht, ein zotteliges Tuch. Beliebt waren Zahltische wohl nie, auch weil dort Steuern eingetrieben wurden. Dass sich daraus hochkomplexe Verwaltungsapparate entwickelten, gesteuert von hierarchisch sortierten Beamten, hielt der deutsche Soziologe Max Weber in den 1920er-Jahren keineswegs für einen Nachteil. Er betrachtete Bürokratie als überlegene Herrschaftsform, weil sie irrationalem Handeln Einhalt gebiete. Beliebter allerdings ist das Phänomen seither nicht geworden.
Aktuelles LexikonBürokratie
Für die einen eine überlegene Herrschaftsform, für die anderen der Gottseibeiuns des modernen Staatswesens – dem der Bundestag nun mit einem Gesetz zu Leibe rückt.
