MeinungUngarnHunderttausende, die sagen: Nicht mit uns, Viktor Orbán

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Kommentar von Verena Mayer

Lesezeit: 1 Min.

Verboten? Ist ihnen egal: Hunderttausende Menschen haben am Wochenende in Budapest an der Pride-Parade teilgenommen.
Verboten? Ist ihnen egal: Hunderttausende Menschen haben am Wochenende in Budapest an der Pride-Parade teilgenommen. Janos Kummer/Getty Images

Eine Lehre, die der Ministerpräsident aus der Pride-Parade in Budapest ziehen sollte: Der Unmut über seine Politik ist in Teilen der Bevölkerung überwältigend.

Eine Brücke über die Donau. Breit, weiße Pfeiler und darauf ein Meer von Menschen, das eine Regenbogenfahne trägt. Die Bilder der Budapester Pride gingen um die Welt. Sie stehen nicht nur dafür, wie viele Menschen bereit sind, für LGBTQ-Rechte zu demonstrieren, nämlich offenbar Hunderttausende. Sondern vor allem dafür, wie groß der Unmut über den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán inzwischen ist.

Dessen Regierung hatte die alljährliche Pride verboten und allen, die daran teilnehmen, Strafen angedroht. Die Grundlage für das Verbot ist das sogenannte Kinderschutzgesetz, das alle öffentlichen Veranstaltungen mit LGBTQ-Bezug untersagt. Es steht nicht nur im Widerspruch zu den Rechten sexueller Minderheiten, sondern auch zum Grundrecht der Versammlungsfreiheit.

Die Menschen möchten sich die Einschränkungen ihrer Rechte nicht mehr gefallen lassen

Orbáns Getreue beeilten sich am Wochenende, die verhasste EU und ihre angebliche „LGBTQ-Propaganda“ für den Zulauf zur Pride verantwortlich zu machen. Doch dieses Narrativ greift nicht mehr. Zwar waren zahlreiche EU-Parlamentarier nach Budapest gereist, und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die ungarische Regierung höchstpersönlich dazu aufgerufen, die Pride straffrei stattfinden zu lassen. Doch es waren hauptsächlich Ungarinnen und Ungarn, die durch die Straßen zogen. Menschen, die sich die Einschränkungen ihrer Rechte nicht mehr gefallen lassen wollen und eine üblicherweise nicht besonders große Regenbogenparade in eine gewaltige Anti-Orbán-Demo verwandelten.

In Ungarn wurde das Verbot der Pride als Orbáns Versuch gedeutet, die wachsende Oppositionsbewegung unter Druck zu setzen. So sollte Orbáns erfolgreicher Gegenspieler Péter Magyar dazu gezwungen werden, sich zu LGBTQ-Rechten zu bekennen, was ihn für die meisten konservativen Wähler untragbar machen würde. Das Kalkül ging nicht auf. Zum einen, weil Magyar der Falle durch urlaubsbedingte Abwesenheit auswich und die Teilnehmer nur dazu aufrief, sich nicht provozieren zu lassen. Zum anderen, weil wohl wesentlich weniger Menschen homophob sind, als Orbán dachte. Es war ein in jeder Hinsicht historischer Tag für Ungarn.

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