Bridget BrinkEher Repräsentantin als Gestalterin

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Bridget Ann Brink, noch US-Botschafterin in der Slowakei, bald in der Ukraine.
Bridget Ann Brink, noch US-Botschafterin in der Slowakei, bald in der Ukraine. (Foto: Uncredited/dpa)

Die künftige US-Botschafterin für die Ukraine gehört seit 1996 dem diplomatischen Dienst an. Zum engeren Kreis um Joe Biden zählt sie nicht.

Von Hubert Wetzel, Washington

Es gibt vermutlich kein Land auf der Erde, mit dem sich die Außen- und Sicherheitspolitiker in Washington derzeit mehr beschäftigen als die Ukraine. Präsident Joe Biden hat es auf sich genommen, den Widerstand des Westens gegen Russlands Angriffskrieg anzuführen. Für ihn ist das Land ein Schlachtfeld, auf dem der große Kampf zwischen Demokratien und Diktaturen ausgetragen wird, der seiner Ansicht nach das 21. Jahrhundert prägen wird. Was in der Ukraine passiert, ist für die US-Regierung also durchaus wichtig. Insofern hat Bidens Ankündigung, er nominiere Bridget Brink als neue Botschafterin in Kiew, vielleicht nicht zu Unrecht zu einigen erstaunten Nachfragen geführt: Bridget wer?

Bridget Ann Brink stammt aus Michigan und ist vermutlich Anfang fünfzig. Genauer kann man es nicht sagen, denn das US-Außenministerium hat ihr Geburtsjahr bisher nicht mitgeteilt. Brink ging in Michigan zur Highschool, graduierte 1987 und studierte danach an dem nicht besonders bekannten Kenyon College in Ohio. Sie machte an der London School of Economics einen Master-Abschluss in Internationalen Beziehungen und trat 1996 in den diplomatischen Dienst der Vereinigten Staaten ein.

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Brinks Karriere war solide, aber keineswegs herausragend oder gar brillant. Sie spezialisierte sich auf Osteuropa und die Region der ehemaligen Sowjetunion, das State Department schickte sie auf Posten nach Serbien, Georgien und Usbekistan. Zwischen ihren Aufenthalten im Ausland arbeitete sie im Außenministerium in Washington in der Europa-Abteilung sowie im Nationalen Sicherheitsrat im Weißen Haus. Im Frühjahr 2019 nominierte der damalige Präsident Donald Trump sie als Botschafterin in der Slowakei, im August jenes Jahres trat sie ihr Amt dort an, nachdem der Senat der Berufung zugestimmt hatte. Vor einigen Tagen schließlich gab das Weiße Haus bekannt, dass Biden Brink nach Kiew entsenden wolle. Auch diesen Wechsel muss der Senat noch bestätigen.

Eine Gestalterin? Vermutlich eher eine Repräsentantin

Formell gesehen ist Brink für den Botschafterposten in der Ukraine sicher qualifiziert. Sie steht als amtierende Botschafterin hoch genug in der Hierarchie. Sie kennt die Region, laut ihrer offiziellen Biografie spricht sie Russisch. Und überall, wo Brink bisher im Auslandseinsatz war, hatte sie es mit den imperialen Ansprüchen Moskaus zu tun. Als russische Truppen im Sommer 2008 in Georgien einmarschierten, war sie Abteilungsleiterin in der amerikanischen Botschaft in Tiflis. Ihre Vorgängerin Marie Yovanovitch war etwas höherrangig und erfahrener, als sie 2016 nach Kiew ging - sie hatte zuvor bereits zwei Botschaften geführt, in Kirgisistan und Armenien. Yovanovitch wurde dann 2019 von Trump im Streit abgezogen, nachdem sie sich dessen Versuchen widersetzt hatte, die ukrainische Regierung zu Ermittlungen gegen Joe Biden und dessen Sohn Hunter zu drängen.

Allerdings wäre es auch denkbar gewesen, dass das Weiße Haus angesichts der Bedeutung der Ukraine für die amerikanischen Sicherheitsinteressen in Europa jemanden nach Kiew schickt, die oder der über etwas mehr diplomatisches oder politisches Gewicht verfügt. Der Präsident ist, was die Ernennung von Botschaftern angeht, mehr oder weniger frei. Es gibt in den USA daher die unschöne Sitte, großzügige Spender, die im Wahlkampf mit Geld ausgeholfen haben, mit Botschafterposten zu belohnen. Aber es hindert einen Präsidenten eben auch nichts daran, in ein besonders wichtiges Land einen engen Vertrauten zu entsenden.

Brink mag eine kompetente Diplomatin sein. Aber sie wird nicht zu den Botschafterinnen und Botschaftern gehören, die zum Telefon greifen und das Weiße Haus anrufen können, um auf dem kurzen Dienstweg mit dem Sicherheitsberater oder gar dem Präsidenten zu konferieren. Sie wird vermutlich eher eine Repräsentantin der US-Politik gegenüber der Ukraine sein als eine Gestalterin.

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