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Boris Johnson:Albern

FILE PHOTO: Britain's Prime Minister Boris Johnson arrives to attend a news conference at the European Union leaders summit in Brussels

Der britische Regierungschef Boris Johnson.

(Foto: REUTERS)

Der britische Premier Boris Johnson stilisiert den EU-Austritt zum heroischen Opfergang. Man kann es nicht mehr hören.

Kommentar von Stefan Kornelius

Boris Johnson ist nicht wirklich geeignet für das Geschäft der Europäischen Union, weshalb es nur folgerichtig ist, dass dieser Premierminister das Vereinigte Königreich aus dem Club herausführen wird. Die Europäische Konsensmaschine funktioniert nur durch den Kompromiss, aber diese Vokabel ist Johnson fremd. Seine binäre Welt kennt nur Sieg oder Niederlage, weshalb er den Austritt nun als heroischen Opfergang stilisiert.

Das ist natürlich albern, denn so weit muss und wird es nicht kommen, wenn Frankreich im letzten Augenblick Zugeständnisse beim (volkswirtschaftlich eher unbedeutenden) Thema Fischerei macht und die britische Regierung endlich einsähe, dass es bei Standards und Regeln im Binnenmarkt keine Ausnahmen gibt - erst recht nicht für Staaten, die faktisch an den Binnenmarkt andocken wollen und volle Zoll- sowie Quotenfreiheit für sich verlangen.

Johnson ist ein Premier der Pose: Schaut her, nicht mal dieselben Regeln wollen sie uns geben wie Kanada, jammert er. Man kann es nicht mehr hören. Kanada liegt 6500 Kilometer weit weg und exportiert nur acht Prozent seines Handels nach Europa. Eine Finanzindustrie hat es nicht, die in Europa dicke Geschäfte machen will. Vielleicht sollten endlich mal die Damen und Herren aus der Londoner City in Downing Street vorstellig werden und ihrem Premierminister mitteilen, dass die Angelegenheit nun ein Ende finden muss, wenn Großbritannien ökonomisch überleben will.

© SZ vom 17.10.2020/odg
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