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Brasilien:Tödliches System

25 Menschen sterben bei einer Schießerei in Rio. Was das mit uns in Deutschland zu tun hat? Ein ganze Menge.

Von Benedikt Peters

Es sind grauenvolle Bilder aus Brasilien. Sie zeigen Blutlachen in Hütten, daneben achtlos zurückgelassene Stofffetzen. In der Favela Jacarezinho in Rio de Janeiro kam es zu einem der blutigsten Polizeieinsätze in der ohnehin gewaltreichen Geschichte der Stadt, mindestens 25 Menschen starben. Stundenlang lieferte sich die Polizei ein Gefecht mit der örtlichen Drogenbande, dem "Roten Kommando", die das Geschäft in weiten Teilen Rios unter Kontrolle hat.

Man könnte die Tragödie nun zum Anlass nehmen, um wieder den Kopf zu schütteln über ein Land, das sich seit Jahren gefährlich entwickelt. Das in Jair Bolsonaro einen Mann an die Macht gebracht hat, der Frauenrechte verachtet, den Umweltschutz abwrackt, die Militärdiktatur verherrlicht. Dass die Polizei mit äußerster Brutalität gegen die Banden vorgeht und dabei auch zivile Opfer in Kauf nimmt, ist durchaus im Sinne des Präsidenten: Polizisten, die im Dienst Verdächtige töten, begnadigt Bolsonaro lieber, als ihre Taten zu verurteilen.

Es sollte aber nicht beim Kopfschütteln bleiben. Zur Wahrheit gehört: Verbrecherbanden wie das "Rote Kommando" sind nur deshalb mächtig, weil sie eng mit den lateinamerikanischen Kartellen zusammenarbeiten. Sie bekommen von ihnen Drogen, Geld, Waffen und damit fordern sie den Staat heraus. Dieses tödliche System funktionierte nicht, säßen nicht in den USA und in Europa Millionen Willige, die die geschmuggelten Drogen konsumieren und den Kartellen damit zu Milliarden und Macht verhelfen. Koksen in Deutschland führt zu Toten in Lateinamerika.

© SZ
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