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Brasilien:Nicht am, sondern im Abgrund

Bolsonaro wechselt den Gesundheitsminister aus. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er und seine Regierung das Land in den Abgrund geführt haben.

Von Christoph Gurk

In den vergangenen Monaten wurde das brasilianische Gesundheitsministerium von einem Mann geführt, der Eduardo Pazuello heißt, oft aber nur Pesadelo genannt wird, schließlich klingt das portugiesische Wort für "Albtraum" ganz ähnlich wie der Name des Ministers, es beschreibt aber auch ganz gut, wo das Land dank ihm und der Regierung Bolsonaro heute steht: nicht am, sondern im Abgrund.

Während anderswo Millionen geimpft werden, erlebt Brasilien den schlimmsten Moment seit Beginn der Pandemie. Es stecken sich so viele Menschen mit dem Erreger an wie nie zuvor, es sterben mehr Menschen daran als je zuvor. Schuld ist eine neue Virusvariante - vor allem aber auch politisches und wirtschaftliches Kalkül. Bolsonaro, der nächstes Jahr wiedergewählt und daher keine desaströse wirtschaftliche Bilanz hinterlassen will, ist ein Gegner von Lockdowns.

Rettung ist nicht in Sicht. Die Massenimmunisierung stockt, das Gesundheitsministerium hat sich nicht früh genug um Impfstoffe gekümmert und die Regierung sogar Angebote von Firmen abgelehnt. Immerhin übernimmt nun ein neuer Gesundheitsminister das Amt, ein Arzt, und kein General ohne medizinische Ausbildung wie bisher. Zudem hat Jair Bolsonaro Millionen Impfdosen versprochen. Wann sie kommen, ist ungewiss. Sicher ist nur: Der Weg aus dem Abgrund wird beschwerlich.

© SZ/fzg
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