Katholische Kirche:Auf dem Weg nach Irgendwo

Die Bischöfe streiten über den Synodalen Weg, und was der Papst vorhat, wissen sie auch nicht.

Von Annette Zoch

Nach der Versammlung ist vor der Versammlung. Nach ihrem Herbsttreffen, das am Donnerstag zu Ende gegangen ist, sehen sich die deutschen katholischen Bischöfe in einer Woche schon wieder: zur zweiten Versammlung des Synodalen Wegs, der mit großen Erwartungen und Hoffnungen gestarteten Reformdebatte zwischen Klerikern und Laien. Inzwischen ist bei einigen Synodalen allerdings Ernüchterung eingekehrt. Dass Papst Franziskus den Hamburger Erzbischof Stefan Heße im Amt gelassen hat, dass also die Kategorie "moralische Verantwortung" im päpstlichen Kriterienkatalog für Bischofsrücktritte gar nicht vorkommt, das lässt viele katholische Laien wütend und ratlos zurück.

Und es gibt handfesten Streit über die Inhalte. Er entzündet sich an der Frage, wie Macht kontrolliert und mehr Gewaltenteilung in der Kirche realisiert werden kann. Weil eine Gruppe um Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer mit den eingereichten Vorschlägen - unter anderem freie Wahlen von Leitungspersonal, Trennung von Weiheamt und Leitung - nicht einverstanden war, veröffentlichte sie auf einer Art Gegen-Homepage einen Alternativtext. Ein wenig freundlicher Akt, gehören solch inhaltliche Diskussionen doch eigentlich in den Synodalen Weg, dafür ist er ja da. Beim Herbsttreffen tat der Vorsitzende Georg Bätzing das, was er am besten kann: Er moderierte. Der Synodale Weg dürfe keine reine Verwaltungsreform werden, aber die Kirche dürfe auch nicht in ihrem Wesenskern verändert werden, sagte er. Dass es mehr Teilhabe brauche, darüber sei man sich einig.

Die große Unbekannte bleibt indes weiterhin Rom: Papst Franziskus hat inzwischen einen eigenen weltweiten Synodalen Weg angekündigt, der Anfang Oktober in Rom beginnt. Auch wenn die deutschen Bischöfe pflichtschuldig betonen, wie hilfreich diese Initiative sei, so weiß doch eigentlich niemand so genau, was Franziskus damit will. Vielleicht eine Straßensperre errichten, nach der Devise: bis hierhin und nicht weiter.

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