Verfassungen sollen so sein, dass sie die Verfassung der Bürgerinnen und Bürger nicht ruinieren. So hat das einmal ein Spötter formuliert. Nach solchem Spott war den Menschen nicht, als vor achtzig Jahren im damaligen Württemberg-Baden, in Hessen und in Bayern die Arbeiten an neuen Landesverfassungen begannen. Der Ruin war schon da, Deutschland lag in Trümmern, Schutt und in Elend. Die von der US-Militärregierung eingesetzten Gremien zur Vorbereitung der Verfassungen machten sich mit großem Ernst und mit dem Willen ans Werk, einen demokratischen Neubeginn zu markieren; das war mehr als zwei Jahre bevor an ein Grundgesetz überhaupt gedacht wurde. Die Landesverfassungen, die damals entstanden, wurden geschrieben in einer Mischung aus Hoffnung und Verzweiflung; sie sind Liebeskummerbriefe und eindringliche Mahnungen zum Frieden und zur Versöhnung.
MeinungBildungFrieden kann und muss man lernen

Kolumne von Heribert Prantl
Lesezeit: 3 Min.

In ihren Verfassungen legten die Bundesländer vor 80 Jahren fest, die Schülerinnen zur „Friedensliebe“ zu erziehen. Eine solche Friedenserziehung bedeutet: Bildung in der Kunst des Kompromisses. Sie ist Schule der Neugier, die dem anderen begegnet, ohne gleich zu werten.
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