Kolonialismus:Willkommen daheim

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Deutschland und Nigeria wollen sich auf die Rückgabe der Benin-Bronzen einigen. Damit setzt Berlin international Maßstäbe für den Umgang mit geraubter Kunst.

Kommentar von Bernd Dörries

Wenn alles gut geht, dann kommen die Schätze noch zu einem Gedenktag zurück nach Hause. Vor 125 Jahren wurden die Benin-Bronzen aus dem heutigen Nigeria gestohlen, von britischen Kolonialisten, die sie dann unter anderem an deutsche Museen und Sammlungen weiterverkauften. Mehr als 1100 Objekte, Figuren, Büsten, Reliefs, Schnitzereien, Tafeln aus Kupfer, Leder, Wolle, Holz, Elfenbein und eben auch aus Bronze, manche aus dem 13. Jahrhundert. Seit mehr als 50 Jahren hat der Staat Nigeria versucht, sie zurückzubekommen, fast genauso lange haben sich die Museen in Europa und den USA geweigert. Obwohl viele der Werke lange in Depots lagerten, die Benin-Bronzen nicht unbedingt ein Publikumsmagnet waren. Erst der Streit, wohin sie gehören, hat sie berühmt gemacht.

Am Freitag nun wollen Deutschland und Nigeria eine Vereinbarung unterzeichnen, die die Rückkehr der Bronzen nach Nigeria ermöglicht. Deutschland ist das erste Land, das sich zu einem so weitreichenden Schritt bereit erklärt, während Großbritannien sich weigert, seine Schätze aus dem British Museum herzugeben. Sind sie denn in Afrika sicher, hatten Kritiker der Rückgabe bis zuletzt gefragt. Es ist ein bisschen so, als würde die Polizei die Rückgabe eines gestohlenen Autos vom Vorhandensein einer Garage abhängig machen.

Jetzt muss Nigeria entscheiden, wie es mit seinem Erbe umgehen will

Dabei tut Deutschland nun viel dafür, dass in Benin City Museen entstehen, Orte, die den Bronzen gerecht werden. Jetzt muss Nigeria entscheiden, wie es mit seinem zurückgekehrten Erbe umgehen will. Der Staat ist so korrupt wie kaum ein anderer, es gibt aber eben auch viele Bürger, die in den Bronzen eine Chance sehen zu zeigen, dass es anders geht. Benin City soll ein großer Ort der Kunst werden, Besucher anziehen, Nigerianern helfen, ihre eigene Geschichte wieder zu erleben. Die guten wie die schlechten Seiten. Die Rückkehr könnte die Chance zu einer kleinen Renaissance bieten.

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