Restitution:Jetzt oder später

Vor mehr als 120 Jahren wurden im heutigen Nigeria Bronzen geraubt. Deutschland sollte sie schnellstmöglich zurückgeben.

Von Jörg Häntzschel

Europas ethnologische Museen sind voll von Stücken zweifelhafter Herkunft. Bei den Benin-Bronzen ist die Sache eindeutig. Fast alle wurden 1897 von britischen Soldaten im heutigen Nigeria geplündert. Die Bronzen sind Symbole für den kolonialen Kunstraub geworden.

230 Bronzen sollten im Berliner Humboldt-Forum, dem größten wie umstrittensten deutschen Kulturprojekt seit Jahrzehnten, gezeigt werden, als Highlights der Ausstellung. Das ist heute nicht mehr vorstellbar. Das hat jetzt auch Hartmut Dorgerloh zugegeben, der Generalintendant des Forums: Er erwarte eine Entscheidung zur Rückgabe bis September.

Dass Deutschland tatsächlich kurz vor diesem Beschluss steht, bestätigen auch Kulturstaatsministerin Monika Grütters und Außenminister Heiko Maas - und rufen damit Hermann Parzinger auf den Plan, den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Er möchte das Rad der Geschichte zurückdrehen: Restitutionen seien gewollt, aber nicht jetzt, sondern "eines Tages".

Damit diese Frage nun nicht auf Jahre durchs Labyrinth föderaler Zuständigkeiten geistert, ist eine Entscheidung auf höchster Ebene nötig. Deutschland sollte es Nigeria überlassen, ob es die Rückgabe aller oder mancher geraubter Bronzen wünscht, ob sofort oder später.

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