Belarus:Treffpunkt der Minsker Intellektuellen: das Gefängnis

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Im Westen immer noch eine große Unbekannte: das alte Minsk. (Foto: Peter Kovalev via www.imago-images.de/imago images/ITAR-TASS)

Über kaum ein osteuropäisches Land ist hierzulande so wenig bekannt wie über Belarus. Sprache ist dort Widerstand - und ein mächtiges Instrument von Menschenrechtlern wie dem diesjährigen Nobelpreisträger Ales Bjaljazki.

Kolumne von Karl-Markus Gauss

Belarus ist ein merkwürdiger Staat. Kaum einen anderen gibt es, dessen führende Politiker die Landessprache selbst nicht schätzen, die eigene Nationalität periodisch als Erfindung von reaktionären Oppositionellen ausgeben und, wenn sie ihre Herrschaft durch innere Feinde gefährdet sehen, mit der Auffassung liebäugeln, dass es sich bei ihrem Land um eine Art von historischer Provinz des großen Nachbarreiches handle. Belarus ist ein merkwürdiger Staat, dessen Geschichte vielen im Westen kaum bekannt ist. Das gilt nicht nur für weit zurückliegende Epochen mit ihren oft unübersichtlichen Konstellationen, sondern selbst für die jüngere Vergangenheit. Wer weiß hierzulande, dass unfassbare 25 Prozent der Weißrussen den Zweiten Weltkrieg nicht überlebten, weil Wehrmacht und SS systematisch Städte und Dörfer zerstörten und deren Bewohner ausrotteten? Dass sich auf dem Gebiet von Belarus so viele den Partisanen anschlossen wie fast nirgendwo sonst? Dass es aber selbst in diesem Vernichtungskrieg Kollaborateure gab, die sich den Eroberern anschlossen, weil sie meinten, sie würden so den Kommunismus besiegen und danach mit Hitlers Erlaubnis einen nationalen belarussischen Staat begründen können?

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