Süddeutsche Zeitung

Bayreuth:Endlich dirigiert auch eine Frau

Anders als in der Klassikwelt üblich, sind in Bayreuth Frauen für die Geschicke der Festspiele verantwortlich. Aber erst jetzt, nach 145 Jahren, gibt es auch eine Frau am Dirigentenpult.

Von Reinhard J. Brembeck

Die Bayreuther Festspiele spielen in der kleinen Männerwelt der Klassik eine besondere Rolle. Sie wurden von einem Mann, Richard Wagner, begründet, dessen Opern hier fast ausschließlich gespielt werden. Doch anders als in der Klassikwelt üblich, sind hier Frauen schon länger für die Geschicke dieser lange Zeit als Wagner-Familienunternehmen geführten Festspiele verantwortlich.

Das beginnt mit der Komponistengattin Cosima, geht über die Hitler-Vertraute Winifred, die maßgeblich zum schlechten Ruf Bayreuths beitrug, bis zu Eva und der jetzigen Festspielleiterin Katharina Wagner. Das ist auffällig, weil Opernintendanten, Opernregisseure und Festivalleiter meist Männer sind, das ist weltweit so.

Katharina Wagner, Jahrgang 1978, hat die Festspiele am Grünen Hügel modernisiert, organisatorisch wie künstlerisch, der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Sie hat als erste Frau in Bayreuth inszeniert. 145 Jahre hat es gedauert: Aber Wagner hat mit Oksana Lyniv dieses Jahr die erste Frau verpflichtet, die in Bayreuth dirigiert - und zwar gleich die diesjährige Eröffnungspremiere mit dem "Fliegenden Holländer".

Anders als der Rest der Klassikwelt ist Bayreuth damit - endlich - auf dem besten Weg zur Gleichberechtigung: Herzlichen Glückwunsch!

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5362950
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.