„Ich weiß nicht, ob wir das Diplom einem Irren oder einem Genie verliehen haben“, soll der Direktor der Architektur-Fakultät von Barcelona gesagt haben, nachdem ein Student namens Antoni Gaudí seine Abschlussprüfung absolviert hatte. Gaudí war seinen Lehrmeistern durch eigenwillige, radikale Entwürfe aufgefallen. Als 1883 der Baumeister eines Kirchenprojekts vor den Stadttoren Barcelonas entnervt hinwarf, betraute man den 31-jährigen Gaudí mit dem Bau, finanziert durch Spenden und Almosen der örtlichen Gemeinschaft. Gaudí machte die „Sagrada Família“ zu seinem Lebenswerk. In seinen letzten Jahren schlief er auf der Baustelle, in sich gekehrt, zutiefst religiös geworden, doch stets radikal in seinen Plänen. Eines seiner Geheimnisse war die Geometrie hängender Objekte, die sogenannten Kettenmodelle. Aus diesen entstanden Rundungen, die den Eindruck eines Bauwerks erwecken, das in den Himmel hängt, statt sich diesem entgegenzustrecken. Als Gaudí 1926 an den Folgen eines Trambahnunfalls starb, war sein Entwurf nur zu einem Sechstel umgesetzt. Heute ist es das Wahrzeichen von Barcelona. Am Mittwoch dieser Woche hat der Papst den letzten der von Gaudí vorgesehenen 18 Türme, den Jesus-Turm, gesegnet. Mit 172,5 Meter ist die Sagrada Família nun die höchste Kirche der Welt.
GeschichtsbildSagrada Família

- Antoni Gaudí baute 43 Jahre lang an der Sagrada Família in Barcelona und stellte bis zu seinem Tod 1926 nur ein Sechstel fertig.
- Der Papst weihte diese Woche den letzten der 18 von Gaudí vorgesehenen Türme, den 172,5 Meter hohen Jesus-Turm.
- Die Sagrada Família ist heute die höchste Kirche der Welt und soll Mitte der 2030er-Jahre vollständig fertiggestellt werden.
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Mehr Feedback geben43 Jahre lang baute Antoni Gaudí, das Architekturgenie, an dem heutigen Wahrzeichen Barcelonas - und stellte doch nur einen Bruchteil fertig. In dieser Woche weihte der Papst den letzten und höchsten der 18 Türme.
Von Patrick Illinger, Barcelona
