MeinungBaden-WürttembergCem Özdemir hat gewonnen, und nicht seine Partei

Kommentar von Roland Muschel

Lesezeit: 3 Min.

Cem Özdemir, 60, Bundesminister a. D. und Ministerpräsident in spe, am Sonntagabend in Stuttgart.
Cem Özdemir, 60, Bundesminister a. D. und Ministerpräsident in spe, am Sonntagabend in Stuttgart. Bernd Weißbrod/dpa

Der designierte Ministerpräsident hat im Wahlkampf viel dafür getan, keinesfalls als Kandidat der Grünen wahrgenommen zu werden. Sein CDU-Kontrahent hat Fehler gemacht, bekommt von seiner Partei aber hoffentlich Gelegenheit, daraus zu lernen.

Der knappe Wahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg ist zuallererst ein Sieg von Cem Özdemir. Die Kampagne war kompromisslos auf diesen Kandidaten zugeschnitten, auf seine Beliebtheit, seine Bekanntheit, sein Image als Brückenbauer, auch als ein Politiker, der aus Fehlern und Niederlagen der Vergangenheit gelernt hat. Die Partei? Kam auf den Plakaten erkennbar nur in Form einer stilisierten Sonnenblume vor. Nur nicht anstecken lassen von dem Stempel der Verbotspartei, den die politische Konkurrenz den Bundes-Grünen während der Berliner Ampeljahre recht erfolgreich aufgedrückt hat. Maximale Abgrenzung, das war die Strategie von Özdemir, deren Erfolg der Bundespartei nur bedingt gefallen kann. Kopieren kann sie diese Kampagne jedenfalls nicht.

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