bedeckt München 10°

Ausgangssperre:Wer da geht

Spazieren in die Wohnung von anderen wird möglich sein - etwas miteinander trinken im Freien nicht. Eine solche Regelung ergibt keinen Sinn.

Von Angelika Slavik

Dass die Ausgangssperre abgeschwächt wird, könnte man zunächst für eine gute Nachricht halten. Immerhin können dadurch alle, die den ganzen Tag im Home-Office gehockt haben, weiterhin abends eine Runde joggen. Niemand muss sich extra einen Alibihund anschaffen, um bis Mitternacht ein paar Minuten an die Luft zu kommen. Ist das gut? Nein, es ist nur ein bisschen weniger ärgerlich als vorher.

Durch diese Änderung werden für einen großen Teil der Menschen die allerschlimmsten Zumutungen wegfallen. Dafür wird umso deutlicher, wie skurril so eine Regelung grundsätzlich ist. Die Ausgangssperre ist der Versuch, Menschen davon abzuhalten, sich abends gegenseitig zu besuchen. Das war in der ursprünglichen Fassung inakzeptabel, weil man damit auch die Jogger und Spaziergänger getroffen hat, von denen kein erhöhtes Risiko ausgeht.

Mit der neuen Fassung können nun jene, die um 23 Uhr zu Treffen in Wohnungen unterwegs sind, dies immer "Spaziergang" nennen. Der Effekt für die Pandemiebekämpfung ist also zweifelhaft: Wer sich in Innenräumen trifft, wo das Infektionsrisiko enorm ist, wird kaum erwischt. Wer stattdessen im Freien nicht "spazieren", sondern zusammen etwas trinken will, darf das nicht. Das ist mehr als befremdlich - und es rechtfertigt diesen Eingriff in die Freiheitsrechte nicht.

© SZ
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema