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Europäische Union:Mehr Kontrolle muss her

Corona-Impfstoff von AstraZeneca mit Spritze, Symbolfoto *** Corona vaccine from AstraZeneca with syringe, symbol photo

Corona-Impfstoff von Astra-Zeneca: Die Firma liefert weniger als geplant.

(Foto: Christian Ohde/imago images)

Astra-Zeneca liefert nicht die vereinbarten Dosen des Corona-Impfstoffs. Die Lehre daraus darf für die EU aber nicht lauten, künftig alles lieber national zu regeln - denn wichtig ist etwas anderes.

Von Björn Finke

Es ist eine weitere Schlappe für die Impfstrategie der EU, dass der Hersteller Astra-Zeneca weniger Dosen des Corona-Vakzins liefern kann als vereinbart. Und schlimmer noch: Es steht der Verdacht im Raum, dass der Konzern versucht, die EU über den Tisch zu ziehen. Das Unternehmen hat eine massive Anzahlung kassiert, aber offenbar nicht früh genug damit begonnen, die bestellten Dosen zu fertigen. Oder die begehrte Ware wurde vielleicht woanders hin verkauft.

Das ist bitter für die EU-Kommission; die Behörde orderte die Mittel im August für alle 27 Mitgliedstaaten. Manche Kritiker argumentieren ohnehin, große Staaten wie Deutschland wären besser gefahren, wenn sie die Beschaffung nicht Brüssel überlassen hätten. Doch der Skandal um Astra-Zeneca ist vielmehr ein Beleg dafür, wie sinnvoll es war und ist, die Kräfte zu bündeln. Denn jetzt kann die Kommission das Gewicht eines Riesenmarktes von 450 Millionen Einwohnern in die Waagschale werfen und damit Druck auf das Management ausüben.

Eine wichtige Lehre aus dem Fall ist aber, dass mehr Kontrolle nötig ist. Die EU weiß nicht, wie viele Dosen die Firma in hiesigen Fabriken hergestellt hat und ob diese die Union verlassen haben. Künftig müssen Konzerne daher solche Exporte anmelden. Diese neue Verpflichtung ist richtig - und überfällig.

© SZ
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