Wahlkampf:Das Verzweiflungsteam

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Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet präsentiert endlich Mitstreiterinnen und Mitstreiter - doch seine Zukunftsmannschaft dürfte schon bald Vergangenheit sein.

Kommentar von Robert Roßmann

Für ihn sei es immer wichtig gewesen, dass "die CDU als Team sichtbar wird", hat Armin Laschet am Freitag erklärt. Doch genau daran hatte seine Partei in den vergangenen Monaten zu zweifeln begonnen. Was hatte Laschet im Wettrennen um CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur nicht alles erklärt. Dass die Partei keinen Vorstandsvorsitzenden brauche, sondern einen Mannschaftskapitän, der zusammenführt. Dass er deshalb nicht als "One-Man-Show" antrete, sondern als Teamspieler. Doch dann ist ausgerechnet dieser Armin Laschet als One-Man-Show durchs Land getingelt.

Wer ins Kanzleramt will, kann sich nicht um Entscheidungen drücken

Der CDU-Chef will Kanzler werden. Aber er war zu feige, Entscheidungen zu treffen. Es ist ja richtig, dass jeder, der ein Team aufstellt, damit all jene verprellt, die nicht hinein kommen. Doch wer ins Kanzleramt will, kann sich nicht um solche Entscheidungen drücken. Laschet hat selbst dann noch auf ein Team verzichtet, als seine persönlichen Umfragewerte dramatisch eingebrochen sind und er zum Ballast für die Partei geworden war. Er hat der CDU damit zusätzlich geschadet.

In größter Not hat Laschet jetzt seinen Kurs geändert - und ein "Zukunftsteam" präsentiert. Doch das Team kommt viel zu spät. Es wurde hektisch und im kleinen Kreis zusammengestellt. Es ist ein Verzweiflungsteam, das schon am 26. September Vergangenheit statt Zukunft sein dürfte. Und es offenbart viele Probleme, die die CDU zusätzlich zur mangelnden Zugkraft ihres Kanzlerkandidaten hat.

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Er habe jetzt ein Team aus Persönlichkeiten gebildet, "die originelle neue Ideen für die Zukunft entwickelt haben", und die für das stünden, was die Union umsetzen wolle, hat Laschet bei der Präsentation gesagt. Unter den Bundesministerinnen und -ministern der Union scheint es niemanden zu geben, der diese Vorgabe erfüllt - es ist jedenfalls keiner von ihnen im Team.

Aber auch von denen, die es in die Auswahl geschafft haben, überzeugen nicht alle. Dass Friedrich Merz für die Zukunft der CDU stehen soll, werden bestenfalls Stammwähler der Partei so sehen. Die vielen Merkel-Wähler, die die CDU gerade zu verlieren droht, schreckt er eher ab. Dass Silvia Breher das Ruder für die Union herumreißen könnte, glaubt auch keiner. Die Frau ist schon seit fast zwei Jahren stellvertretende CDU-Chefin - und trotzdem der breiteren Öffentlichkeit unbekannt.

Entweder hat Armin Laschet keinen Plan, oder er hat jeden Tag einen anderen

Laschet hat am Freitag gesagt: "Wir sind digital nicht so aufgestellt, wie wir es sein müssten." Da hat er recht. Aber warum er glaubt, dass deshalb Dorothee Bär in sein Team muss, bleibt sein Geheimnis. Die CSU-Politikern war in den vergangenen acht Jahren erst Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, dann die für die Digitalisierung zuständige Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin. Sie ist also entweder mitverantwortlich für die Misere oder nicht durchsetzungsstark. Am Freitag hat sie angekündigt, "dem Staat ein Update" verpassen und "einen neuen digitalen Turbo zünden" zu wollen. Warum soll das jetzt auf einmal klappen?

Laschet hat monatelang überhaupt kein Team aufstellen wollen. Jetzt gibt es nach dem am Montag präsentierten dreiköpfigen Klima-Team überraschend auch noch ein Zukunftsteam. Das verstärkt einen Eindruck, der sich in den vergangenen Wochen immer stärker verfestigt hat: Entweder hat Armin Laschet keinen Plan, oder er hat jeden Tag einen anderen.

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