ARD und ZDF:Was darf's denn kosten?

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ARD und ZDF: WDR-Intendant Tom Buhrow verdient mehr als der Bundeskanzler. Ist das ein Problem?

WDR-Intendant Tom Buhrow verdient mehr als der Bundeskanzler. Ist das ein Problem?

(Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/picture alliance/dpa)

Christian Lindner schlägt vor, die Gehälter der öffentlich-rechtlichen Intendanten zu deckeln. Ist das Populismus? Klar, aber nicht nur.

Kommentar von Katharina Riehl

Ein Dax-Vorstand verdient mehr als ein Minister, ein Fußballstar mehr als ein Dax-Vorstand, ein Hollywoodstar mehr als ein Fußballstar, und alle verdienen sie sehr viel mehr als der Durchschnitt. Das kann man völlig normal finden, weil im Spitzensport und in der Unterhaltungsindustrie viel Geld im Spiel ist und die hochbezahlten Menschen rein marktwirtschaftlich betrachtet ihr Geld meistens wert sind. Man kann sich aber gesamtgesellschaftlich durchaus die Frage stellen, wie viel Geld die Arbeit eines einzelnen Menschen eigentlich wert sein kann. 23 Millionen Euro pro Jahr wie zum Beispiel bei Robert Lewandowski?

So viel wie der Fußballer verdient selbstverständlich auch WDR-Intendant Tom Buhrow nicht, und dennoch ist die Debatte interessant, die Bundesfinanzminister Christian Lindner am Wochenende angestoßen hat. Er sei gegen jede Neid-Debatte, so Lindner in Bild, aber kein Intendant sollte mehr verdienen als der Bundeskanzler. Dieser liegt tatsächlich mit 362 000 Euro deutlich unter dem WDR-Chef, der 413 000 Euro bekommt.

Klar ist, dass eine Forderung nach Gehaltsdeckeln im öffentlich-rechtlichen System nie frei von Populismus ist, schließlich stehen die Sender seit dem Skandal um die Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger stärker unter Druck als ohnehin schon. Wer gegen Verschwendung bei den gebührenfinanzierten Sendern poltert, kann immer mit Beifall rechnen. Und selbstverständlich würde eine plakative Gehaltskürzung bei den Senderbossen keines der strukturellen Probleme lösen (und vermutlich nicht einmal dafür sorgen, dass die freien Mitarbeiter besser bezahlt werden).

Trotzdem hat Lindner einen Punkt. Intendanten bei ARD und ZDF sind keine Senderbosse in der freien Wirtschaft (wo sie, auch klar, noch mehr verdienen würden); sie werden wie Politiker von öffentlichen Geldern bezahlt. Eine transparente, nachvollziehbare Systematik ihrer Bezüge könnte Vertrauen schaffen. Und daran fehlt es den Sendern gerade am meisten.

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