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Vereinte Nationen:Meister der Konfliktvermeidung

Will gerne für fünf weitere Jahre im Amt bleiben: UN-Generalsekretär António Guterres, 72.

(Foto: Fabrice Coffrini/AFP)

Der Portugiese António Guterres hat beste Chancen, als Generalsekretär der Vereinten Nationen wiedergewählt zu werden. Was auch heißt: Er hat es sich mit niemandem komplett verdorben.

Von Christian Zaschke

Vielleicht spricht es für António Guterres, dass sich bisher keine einflussreichen Stimmen zu Wort gemeldet haben, die sich gegen seine Wiederwahl als Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN) aussprachen. An diesem Dienstag beriet der Sicherheitsrat der UN darüber, ob der 72 Jahre alte Diplomat ab dem 1. Januar 2022 weitere fünf Jahre lang an der Spitze der Organisation stehen solle, und sprach sich erwartungsgemäß für ihn aus. Mit Guterres können alle ganz gut leben.

Was zur Frage führt, ob es vielleicht auch gegen António Guterres sprechen könnte, dass niemand ernsthaft gegen seine Wiederwahl ist. Denn das bedeutet, dass er alle fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, also China, Frankreich, Großbritannien, Russland und die Vereinigten Staaten, gleichermaßen zufriedengestellt hat. Das kann zwei Dinge bedeuten: Entweder ist Guterres ein Diplomat mit übermenschlichen Fähigkeiten, oder er ist eben schlicht niemandem allzu sehr auf die Nerven gefallen.

Noch jeder der einschließlich Guterres neun Generalsekretäre der UN fand sich in dem Dilemma wieder, zwischen Interessen vermitteln zu sollen, zwischen denen im Grunde nicht zu vermitteln ist. Die genannten großen Fünf sind so gut wie nie alle einer Meinung, und eine der undankbareren Aufgaben des Generalsekretärs ist es, bei diesen Meinungsverschiedenheiten keinesfalls Partei zu ergreifen. Zumindest, wenn er wiedergewählt werden will.

Vor zwei Jahren sagte Guterres im Gespräch mit der SZ: "Es ist heutzutage absolut unmöglich, diesen Job zu machen, wenn man auch nur im Mindesten an eine Wiederwahl denkt. Man muss in der Lage dazu sein, das zu tun, was man im jeweiligen Moment für richtig hält." Nun kann man nicht sagen, dass Guterres etwas Falsches getan hätte, um wiedergewählt zu werden. Aber man tritt ihm wohl nicht zu nahe, wenn man festhält, dass er sehr wohl deutlich gemacht hat, dass er gern weitere fünf Jahre in seinem Büro im UN-Turm am New Yorker East River säße.

Anfang Mai stellte er sich den Fragen internationaler Diplomaten. Dabei legte er dar, wie er die Organisation in den kommenden Jahren zu führen gedenke. Er blieb, wie das bei solchen Anlässen üblich ist, im Vagen. Es gehe ihm vor allem um Konfliktvermeidung. Auch der Klimaschutz stehe ganz oben auf der Agenda. Im erwähnten Gespräch mit der SZ hatte er gesagt: "Seit dem letzten Bericht des Weltklimarats ist der Klimaschutz für mich die höchste Priorität geworden."

Nach Guterres sollte eine Frau UN-Chefin werden - bisher hatten nur Männer das Amt inne

Dass Guterres bei keinem der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats wirklich angeeckt ist, mag sich auch seiner großen politischen Erfahrung innerhalb und außerhalb der Organisation verdanken. Von 1995 bis 2002 war er Premierminister Portugals. Von 2005 bis 2015 arbeitete bei den UN als Hoher Kommissar für Flüchtlinge. Während dieser zehn Jahre legte er die Grundlage dafür, 2016 zum Generalsekretär gewählt zu werden. Zudem dürfte ihm das Schicksal eines seiner Vorgänger in Erinnerung geblieben sein: Der Ägypter Boutros Boutros-Ghali verärgerte die Vereinigten Staaten als Generalsekretär so sehr, dass diese 1996 gegen seine Wiederwahl ihr Veto einlegten.

2016 traten mehrere hochqualifizierte Frauen gegen Guterres an, darunter Helen Clark, die frühere Premierministerin Neuseelands, und Irina Bokowa, vormals Generaldirektorin der Unesco. Da bisher sämtliche Chefs in der gut 75 Jahre währenden Geschichte der UN Männer waren, galt António Guterres nicht unbedingt als Favorit, doch er setzte sich durch.

In diesem Jahr ist er der einzige Kandidat. Es trete auch deshalb niemand gegen ihn an, heißt es in New York, weil das gegen einen nicht allzu unbeliebten Amtsinhaber, der das System kenne, aussichtslos sei. Dass in gut fünf Jahren eine Frau auf Guterres folgt, gilt hingegen als sicher.

© SZ/kia
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