Schade eigentlich, dass Fragen aus dem Publikum nicht vorgesehen waren. Sonst hätte hoffentlich jemand die zentrale Frage gestellt, die der Interviewer ausgelassen hatte: Frau Merkel, wenn Sie Wladimir Putins Abgründe so früh begriffen haben wollen, warum haben Sie das Land dann in eine solche Abhängigkeit von Gas und Öl aus Russland geführt? Wer nicht fragt, erhält auch keine Antwort, und so blieb Angela Merkel viel Raum, bei ihrem ersten Interview seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine das eigene Bild in der Geschichte auszumalen, in kräftigen und schönen Farben. Sie tat dies im Gespräch auf der Bühne des Berliner Ensembles auf sympathische Weise, gut gelaunt und mit ihrem lakonischen Humor. Und all dies ließ leicht vergessen, dass sie eine Entschuldigung für eine Russlandpolitik, die sich am Ende als Illusion erwies, ausschloss - ebenso wie dies, wenn auch deutlich raubauziger, schon ihr Vorgänger Gerhard Schröder getan hatte ("mea culpa, das ist nicht mein Ding").
Berlin:Merkels bunte Farben und ein blinder Fleck
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Die Bundeskanzlerin a. D. erklärt erstmals seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine ihre Russland-Politik: Manches ist schlüssig, und doch bleiben große Fragen offen.
Kommentar von Joachim Käppner
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