Süddeutsche Zeitung

Andrew Cuomo:In der Defensive

Trotz der Vorwürfe sexuellen Missbrauchs ist es unwahrscheinlich, dass der Gouverneur des Bundesstaats New York zurücktritt.

Von Christian Zaschke

Es ist erst ein gutes Jahr her, dass Andrew Cuomo landesweit sehr bewundert wurde. Der Gouverneur des Bundesstaats New York präsentierte sich bei seinen täglichen Briefings zum Stand der Pandemie als energischer Krisenmanager. Manche Demokraten fragten damals sogar, ob man nicht mit Cuomo statt mit Joe Biden in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen sollte. Das Establishment der Partei zeigte sich gern mit ihm, er hatte überall Freunde.

Größer könnte der Gegensatz zum Cuomo dieser Tage nicht sein. Nachdem eine Untersuchung der Generalstaatsanwältin von New York zu dem Ergebnis kam, dass Cuomo im Amt jahrelang Frauen sexuell belästigt habe, ist der Gouverneur in der Defensive und vor allem allein. Präsident Biden hat sich von ihm abgewandt, ebenso Nancy Pelosi, die Sprecherin des Repräsentantenhauses. Die Demokraten im New Yorker Parlament wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben.

Trotzdem ist es einstweilen unwahrscheinlich, dass Cuomo zurücktritt. Das entspräche nicht seiner Art. In seiner Aggressivität und seinem Willen zur Dominanz ist er dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump nicht unähnlich. Wie diesem droht Cuomo nun ein Amtsenthebungsverfahren, wenn auch mit einem entscheidenden Unterschied: Es ist vor allem seine eigene Partei, die ihn loswerden will.

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