Klimaschutz:Sparen am falschen Ende

Lesezeit: 1 min

Die Koalition begnügt sich mit dürftigen Energie-Anforderungen für Neubauten. Das ist falsch und birgt Risiken für Bauherren.

Kommentar von Roland Preuß

Ausgerechnet beim Klimaschutz zeigt sich die Ampelkoalition ambitionslos. Das Bündnis war erklärtermaßen angetreten für eine schnellere Energiewende und einen verstärkten Kampf gegen die Erderwärmung, nun aber wird man es für Neubauten vorerst bei den alten Vorschriften zur Wärmedämmung belassen. So wollen es die Ampelfraktionen auf Betreiben der FDP hin durchsetzen. Die Vorschriften stammen noch aus dem Jahr 2016. Wie dürftig. Dabei täte gerade bei Deutschlands Häusern Fortschritt not: Was dort verheizt und an Strom verbraucht wird, verursacht etwa 30 Prozent aller Treibhausgasemissionen. Ohne spürbare und rasche Fortschritte bei den Häusern wird das Ziel verfehlt, bis 2045 klimaneutral zu sein.

Die Rechnung für mäßigen Wärmeschutz kann teuer werden

Die geplante Regelung beruht auf dem Prinzip Hoffnung. Der Hoffnung nämlich, dass der Markt dafür sorgt, dass man ein Haus dort besonders energiesparend macht, wo es am wenigsten kostet. In vielen Fälle mag das funktionieren, man kann zum Beispiel mehr mit Ökostrom heizen als Dämmen, der Bau wird so günstiger. Das teure Ende aber könnte bereits in zehn oder 15 Jahren kommen, wenn sich zeigt, dass der nötige Klimabeitrag nicht mit einem eher mäßigen Wärmeschutz zu erreichen ist. Dann müssten die Häuser teuer nachgerüstet werden. Niemand weiß, wie dringlich der Klimaschutz noch wird, wie streng die gesetzlichen Vorgaben werden, welche neuen Techniken Abhilfe leisten könnten. Wer jetzt noch auf eine Dämmung im alten Stil setzt, der geht Risiken ein.

Schon jetzt ist absehbar, dass in den kommenden Jahren viel mehr Strom gebraucht wird als bisher. Er ersetzt Benzin und Diesel bei Autos, Gas in der Industrie. Das dürfte den Strompreis zumindest für einige Zeit nach oben treiben - was für Hausbesitzer zum Problem werden kann. Denn auch dort sollen mit Strom betriebene Wärmepumpen die alten Kessel ersetzen. Und je schlechter ein Haus gedämmt ist, desto mehr muss die Pumpe leisten, um die Wohnung warm zu bekommen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB