Aktuelles Lexikon:Ampel

Sie steht für die neue Koalition, geregelten Verkehr und die 7-Tage-Inzidenz - um nur einige Beispiele zu nennen. Aber wo kommt sie eigentlich her?

Von Paul Munzinger

Bei der Wahl zum Wort des Jahres 2021 darf sich die Ampel Chancen ausrechnen. Sie hat sich nicht nur als Kurzbezeichnung der Koalition eingebürgert, die Deutschland demnächst zu regieren beabsichtigt, auch die Corona-Pandemie wurde mit Ampeln regelrecht umzingelt, ohne dass sie sich bisher ergeben hätte. Es gibt Ampeln für den Reproduktionswert, die 7-Tage-Inzidenz, die Intensivbettenauslastung und vieles mehr. Sprachlich entstammt die Ampel dem Lateinischen. Ihre Ahnherrin ist die ampulla, eine Flasche, die als Öllampe genutzt wurde und im Mittelalter als "Ewiges Licht" von der Kirchendecke hing. Von der Lampe aus dem Sprachgebrauch verdrängt, erhielt die Ampel Anfang des 20. Jahrhunderts eine neue Bestimmung, als man auch in Deutschland auf die Idee kam, den Straßenverkehr mit roten, gelben und grünen Lichtern in geordnete Bahnen zu lenken. Dass die Koalitionsfarben dagegen eher Verwirrung stiften würden, regelten sie tatsächlich den Verkehr, ist aufmerksamen Beobachtern nicht entgangen. Ordnet man die Parteien ihrem Wahlergebnis nach an, leuchten ganz unten nämlich nicht die Grünen, sondern die gelbe FDP. Dass die Ampel sich dennoch durchgesetzt hat, könnte am Mangel an Alternativen liegen. Eine Landesflagge etwa, die von oben nach unten in Rot, Grün und Gelb erstrahlt, gibt es nicht.

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