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Altenpflege:Egoistisch

Der Widerstand der Caritas gegen einen bundesweiten Tarifvertrag ist unverantwortlich.

Von Benedikt Peters

Diese Entscheidung ist in höchstem Maße egoistisch. Die Gewerkschaft Verdi, ein Arbeitgeberverband und Arbeitsminister Hubertus Heil wollten die Mindestlöhne über einen neuen Tarifvertrag in der Altenpflege erhöhen - und nun scheiterten sie am Widerstand der Caritas. Der katholische Wohlfahrtsverband will nicht mitmachen - und das, obwohl sich Solidarität mit hart arbeitenden Niedrigverdienern doch bestens mit den kirchlichen Tugenden vereinbaren ließe.

Es wäre falsch, der Caritas Geiz vorzuwerfen. Ihre eigenen Leute - auch die Altenpflegerinnen und -pfleger - bezahlt sie gut, zum Teil sogar besser, als es der neue Mindestlohn vorgesehen hätte. Den Verantwortlichen auf der Dienstgeberseite geht es um etwas anderes, und darin liegt der Egoismus: Sie befürchten offenbar, dass ihr eigenes Tarifsystem, der sogenannte Dritte Weg, in dem Arbeitskämpfe ausgeschlossen sind, grundsätzlich Schaden nimmt - und damit ihre Eigenständigkeit.

Plausibel erklärt hat die Caritas diese Befürchtungen nicht. Das wäre jedoch das Mindeste, vor allem aus Sicht der Hunderttausenden Pflegekräfte, die nicht bei den Kirchen angestellt sind. Bei den Privaten verdienen sie viel schlechter. Für sie wäre der höhere Mindestlohn ein Zeichen der Anerkennung gewesen - und möglicherweise hätte er auch dazu geführt, dass sich endlich mehr Menschen für diesen so wichtigen Beruf entscheiden.

© SZ/fzg
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