MeinungKessler-ZwillingeIn Italien waren sie Botschafterinnen eines endlich wieder harmlosen Deutschlands

Kommentar von Andrea Bachstein

Lesezeit: 1 Min.

Auf einer Party in Rom, 1961: Alice (rechts) und Ellen Kessler.
Auf einer Party in Rom, 1961: Alice (rechts) und Ellen Kessler. picture alliance/dpa

Was den nun verstorbenen Schwestern nebenher zu vermitteln gelang, ist beachtlich – auch wenn sie das vielleicht gar nicht mit Absicht taten.

Die glänzende Karriere von Alice und Ellen Kessler ist nun vielfach gewürdigt worden, ebenso das Faszinosum ihrer Unzertrennlichkeit, vom ersten bis zum letzten Atemzug. Natürlich gebührt den Zwillingen Respekt für ihr hart erarbeitetes Können in der leichten Muse. Ihnen gelang aber noch etwas: Nie ließen sie sich in einem vor allem in den 1960ern und 1970ern sehr von männlichen Ideen dominierten Showgeschäft in die Rolle dummer Puppen drängen. Sicher hätten sie auch Erfolg gehabt als blonde Püppchen, die leichte Verfügbarkeit signalisieren. Klar, sie hatten Sex-Appeal, und das im Doppelpack. Aber sie schafften es, viel Bein zu zeigen, ohne je vulgär zu wirken; selbstbewusst strahlten sie die Botschaft aus: Über mich und meinen Körper bestimme ich. Das war wichtig für Frauen – und für Männer. Ob sie diese in feministischer Absicht vermittelten, sei dahingestellt, aber sie vermittelten sie, das war nicht selbstverständlich zu ihrer Zeit.

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