Atomkraft:Ja, sicher?

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In Zeiten der Energiekrise verheißen längere Atom-Laufzeiten manchen eine Linderung der Not. Die Sicherheit der Anlagen tritt dabei in den Hintergrund. Es ist ein Spiel mit dem Feuer.

Kommentar von Michael Bauchmüller

Wackere Atomkraftgegner trauen dieser Tage Augen und Ohren nicht. Im Kampf gegen die Energiekrise öffnen sich die Grünen längeren Laufzeiten, die Unionsspitze lädt zur nuklearen PR-Show an den Reaktor Isar 2, und Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber wedelt mit einem Papier des TÜV, tauft es "Gutachten" und erklärt dem Atomkraftwerk die Absolution. Aber: Können sie alle ihrer Sache wirklich so sicher sein?

Der Blick der Deutschen auf die Atomkraft hat sich verändert. Diejenigen, die in den Tagen nach Tschernobyl angstvoll ihre Kinder vom Spielplatz geholt haben, sind meist in Rente. Fukushima ist weit weg und auch schon über zehn Jahre her. Eine neue Generation sorgt sich mehr ums Klima als um nukleare Gefahren, die sie zum Glück nicht oder noch nicht kennengelernt hat. In Zeiten von Kriegen und Krisen scheinen ohnehin alle alten Gewissheiten hinfällig zu sein, und Eile tut not. Genau darin liegt die Gefahr.

Die Sicherheit der Stromversorgung darf nicht wichtiger werden als die Sicherheit der Bevölkerung

Bei der Sicherheit von kerntechnischen Anlagen darf es in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland nie Kompromisse geben. Doch zunehmend wirkt die Verlängerung von Laufzeiten wie ein unentrinnbarer Sachzwang: Kraftwerke wie Isar 2, die zuletzt vor 13 Jahren auf Herz und Nieren geprüft wurden, sollen nun länger laufen - koste es, was es wolle. Die Sicherheit der Stromversorgung wiegt nach dieser Lesart schwerer als die Sicherheit der Bevölkerung. Das ist ein Rückfall nicht nur in die Zeit vor dem Atomausstieg, sondern in die finstersten Sechzigerjahre. So tief darf das Land nicht sinken.

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