U-Boot-Streit:Dröhnende Stille

Berlin hat geschwiegen zu Macrons Hilferufen in der Auseinandersetzung mit Joe Biden. Das geht nicht noch einmal gut.

Von Stefan Kornelius

Nachdem alle Unhöflichkeiten ausgetauscht sind und die Präsidenten Biden und Macron wieder miteinander sprechen, fällt das Licht auf all jene, die in der U-Boot-Causa dröhnend geschwiegen haben. Ganz oben steht die Bundesregierung, die dank des nahenden Wahltermins davongekommen ist mit ihrer Strategie des Abtauchens. Der außenpolitische Sprecher der SPD hat sich geäußert, was als Substitut für den SPD-Außenminister interpretiert werden kann. Aber wird das reichen?

Dieser Mangel an Empathie und Parteinahme wird in Paris bitter aufstoßen, er deckt sich aber mit den Reaktionen, die Frankreich aus dem übrigen EU-Europa einsammeln durfte: Ja, Stil und Ton der USA sind verdammenswert. Noch schlimmer gebärdet sich nur der Premiers-Spaßvogel Boris Johnson, der Außenpolitik mit Pubertäts-Humor betreibt. Aber gegen die prinzipielle Allianz der USA mit Australien kann schwerlich ein Einwand erhoben werden, schon allein weil Europa im Pazifik keine Alternative zu bieten hat und am Atlantik alternativlos auf die USA angewiesen ist.

Dies ist also der Moment, wo die eigene Schwäche schmerzhaft zu spüren ist. Noch so viele Grundsatzpapiere über eine strategische Souveränität bringen keine Brigade ins Rollen oder eine Nordmeer-Flotte zum Schwimmen - ganz zu schweigen von einer gemeinsamen Drohnenabwehr oder einem europäischen Cyber-Sicherheitswall. Europa wird dann glaubwürdig und selbstbewusst, wenn es Souveränität gemeinsam denkt und in konkrete Projekte umsetzt. Momentan ist es die Souveränität Frankreichs, die Präsident Emmanuel Macron beschwört, wenn er über eine Alternative für die vermeintlich hirntote Nato spricht, nicht die Souveränität Europas. Deutschland bleibt bis zum Arbeitsbeginn der nächsten Regierung eine Gnadenfrist. Dann ist eine Positionierung fällig. Die Berliner Schweigsamkeit richtet sonst doppelten Schaden an: in Europa und in den USA.

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