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Von Johanna Pfund

Österreichisch für Alleskönner, auch für solche wie Konzerninhaber René Benko.

Wunderwuzzi ist eine dieser umgangssprachlichen Wortschöpfungen, wie es sie eigentlich nur in Österreich gibt, vielleicht noch in manchen Gegenden Bayerns. Der Begriff klingt charmant, freundlich und doch weist er der damit bezeichneten Person eine eindeutige Charaktereigenschaft zu. Nämlich die eines Alleskönners, einer Person mit einer außergewöhnlichen Begabung. Sprachforschern zufolge ist es im Grunde eine relativ junge Wortschöpfung, für die es vor 1990 kaum Belege gibt. Wunder ist gleich erklärt, schwieriger wird es beim "Wuzzi". Das könnte von "wuzeln", also zusammendrehen oder -knüllen, kommen, es könnte "Butz" für Kobold oder kleines Kind darin stecken oder auch die "Wutz" für Ferkel. Oder gleich alles zusammen. Fest steht, dass René Benko, Eigentümer des Kaufhaus-Konzerns Galeria Karstadt Kaufhof, schon früh als Wunderwuzzi firmierte. Ein junger Innsbrucker, ein Mann aus der Provinz, der zuerst mit geliehenen Sportwagen, später mit eigenen die Geldgeber beeindruckte und so bald einen stattlichen Konzern aufbauen konnte. Wunderwuzzi Benko kannte selbstverständlich auch andere Wunderwuzzis wie Sebastian Kurz, Ex-Kanzler Österreichs. Wenig Verständnis für den Wunderwuzzi dürften derzeit wohl die Angestellten von Galeria Karstadt Kaufhof aufbringen, die wegen der Insolvenz des Hauses um ihren Job bangen.

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