Aktuelles Lexikon:Wellenbrecher

Er soll kompromisslos stabil sein - und den Menschen vor Unbill aus der Natur bewahren.

Von Peter Burghardt

Wellen sind im Prinzip wunderbare Aufwallungen der Natur, gerade im Meer. Man könnte ihnen stundenlang zusehen, sofern man nicht durch einen Orkan segelt und seekrank wird oder Schlimmeres. Es gibt Menschen, die warten, bis sich Wellen zur Höhe eines Hochhauses türmen, zum Beispiel vor Hawaii oder Nazaré in Portugal. Sie steigen auf ihre Bretter und surfen wie auf einem Hang hinunter, ehe das Ungetüm unter seiner eigenen Last möglichst hinter ihnen zusammenbricht, statt sie hinabzudrücken wie eine Lawine. Küstenbewohner dagegen wünschen sich in der Regel, dass Wellen rechtzeitig gebrochen werden, bevor sie ihre Strände hinwegtragen oder gar ihre Häuser. Vor vielen Ufern und besonders vor Häfen, Atomkraftwerken oder Wohngebieten werden deshalb Wellenbrecher installiert, im Falle Fukushima waren sie nicht kraftvoll genug. Es können Molen sein oder Buhnen, mancherorts umstritten sind Tetrapoden, siehe Sylt. In Zeiten von Corona sind die "Wellenbrecher" nun das Symbol der Hoffnung, sie sollen die Flut der Viren bremsen. Die vierte Welle der Pandemie rollt über das Land, die Intensivstationen füllen sich. Die Verantwortlichen suchen mit Verspätung nach Maßnahmen, um die Woge aufzuhalten. Michael Kretschmer, Ministerpräsident des meerlosen Sachsen, will einen "harten Wellenbrecher", es könnte ein Lockdown wie im ebenfalls meerlosen Österreich sein.

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