Aktuelles LexikonWeihnachtsmarkt

Ein Ausdruck deutscher Weihnachtskultur ist nun bedroht von der Pandemie.

Von Matthias Drobinski

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Die Vorläufer der heutigen Weihnachtsmärkte waren bescheiden. Von 1296 an hielten die Wiener Händler einen "Dezembermarkt" ab, 1310 wird in München erstmals ein Nikolausmarkt erwähnt. Das waren schmucklose, oft eintägige Lebensmittelmärkte, später erst tauchten Stände auf mit Zuckerwerk und anderen Geschenken zum Nikolausfest. Das änderte sich mit der Reformation: Martin Luther bekämpfte den Kult um den heiligen Nikolaus und führte das Christkind ein, das am Weihnachtstag Geschenke brachte. Den Nürnberger "Christkendleinsmarck" dürfte es ab der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts gegeben haben. Doch der Durchbruch kam Ende des 19. Jahrhunderts, als in Deutschland eine überkonfessionelle Weihnachtskultur entstand, mit Tannenbaum, Heimeligkeit und Kitsch. Dass die Nazis den Nürnberger Markt als Teil des völkischen Jahreskreises vereinnahmten, konnte die Anziehungskraft der warm beleuchteten Buden so wenig mindern wie die Kommerzionalisierung und Glühweinverklebung der Nachkriegszeit. Nach Schätzung des Verbandes Deutscher Schausteller und Marktkaufleute setzen auf 2500 Weihnachtsmärkten jährlich 85 Millionen Menschen bis zu drei Milliarden Euro um. Nun bedroht die Corona-Pandemie Glühweinspiritualität wie Geschäft. Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist abgesagt, auch die Märkte in Frankfurt, Köln und Düsseldorf fallen aus. In München, Berlin oder Regensburg dürfen Besucher wie Schausteller noch hoffen: auf Adventsgefühl mit Maskenpflicht und abgeschirmten Glühwein-Gehegen.

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