Süddeutsche Zeitung

Aktuelles Lexikon:VVN

Von jkä

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) ist in die Kritik geraten, weil sie vor ihrem Amtsantritt einen Gastbeitrag für die Zeitschrift antifa verfasst hatte, ein Magazin der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten", die im Jahr 2020 vom bayerischen Verfassungsschutz als die "bundesweit größte linksextremistisch beeinflusste Organisation im Bereich des Antifaschismus" bezeichnet wurde. Die VVN genannte Organisation wurde im Juni 1945 auf Initiative von KPD und SPD gegründet als eine der Gruppen, in denen sich Verfolgte der Nazidiktatur zusammenfanden. Der Kalte Krieg ab 1946 spiegelte sich auch in der VVN wieder, die immer stärker in kommunistisches Fahrwasser geriet. Dennoch ließ die DDR sie 1953 auflösen und durch das "Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer" ersetzen: Die ostdeutschen Kommunisten wollten sich als Sieger der Geschichte begreifen, nicht als Opfer. In der Bundesrepublik bestand die VVN fort und sollte in den 1950er-Jahren verboten werden, sie kämpfte gegen die Wiederbewaffnung, Alt-Nazis in den Behörden und für die Aufarbeitung des NS-Unrechts. Die VVN blieb DDR-nah, hatte aber auch viele nichtkommunistische Mitglieder und öffnete sich nach der Wende. Sie wurde stets vom Verfassungsschutz beobachtet, wird mit Ausnahme Bayerns aber in den Berichten der Landesämter nicht mehr erwähnt.

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