Aktuelles LexikonVerlorener Stamm

Das Schicksal der äthiopischen Juden beschäftigt Israel bis heute.

Von Anna Reuß

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Als die zehn verlorenen Stämme gelten jene zehn der zwölf Stämme Israels, die nach der Eroberung durch das neo-assyrische Reich aus dem Königreich Israel im achten Jahrhundert vor Christus deportiert worden sein sollen. Einigen jüdischen Gelehrten zufolge sollen die äthiopischen Juden, die Beta Israel ("Haus Israel") oder Falasha heißen, vom verlorenen Stamm Dan abstammen. Damit erhielten sie das Recht, sich im Rahmen des Rückkehrergesetzes von 1950 in Israel niederzulassen. Heute werden die äthiopischen Juden oft als "verlorener Stamm" bezeichnet. Schon in den Achtzigerjahren waren Tausende von ihnen in einer spektakulären Luftbrücken-Aktion namens Operation Moses nach Israel geholt worden: Während einer Hungersnot waren sie aus Äthiopien in den Sudan geflüchtet, von wo aus sie der Staat Israel evakuierte. Dort angekommen, mussten die meisten lange in Auffanglagern ausharren. Ähnliche Aktionen folgten. Auch in dieser Woche sind wieder Flugzeuge mit äthiopischen Juden gelandet. Aus Sicht vieler Aktivistengruppen ist die Operation Moses jedoch nie vollendet worden; noch immer seien Tausende Juden in Äthiopien verblieben. Doch auch in Israel kämpfen viele Menschen mit äthiopischer Abstammung gegen Diskriminierung. Viele von ihnen fühlen sich als Israelis zweiter Klasse. Im vergangenen Jahr kam es zu wochenlangen Protesten.

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