Aktuelles Lexikon:Stickstoff

Er ist lebensnotwendig für Pflanzen und Tier. Doch zu viel davon bekommt der Umwelt nicht.

Von Christoph von Eichhorn

Das Element Stickstoff ist für Lebewesen unentbehrlich, Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen brauchen den Stoff etwa zum Aufbau von Eiweißverbindungen. Wie so oft in der Biochemie gilt aber: Die Dosis macht das Gift. In dem Fall kommt das Gift vom Menschen, der Stickstoff bevorzugt zum Düngen einsetzt. Zum Problem wird das, wenn mehr gedüngt wird, als Pflanzen aufnehmen können. Der Überschuss gelangt in die Umwelt, wo er vielfältige negative Auswirkungen hat. In Oberflächengewässern lassen Stickstoffverbindungen wie Nitrat Algenteppiche wuchern, im Grundwasser kann sich Nitrat zum gesundheitsgefährdenden Nitrit umwandeln. Das gasförmige Ammoniak, ebenfalls eine Stickstoffverbindung, wirkt zudem als Treibhausgas. Neben Düngemitteln ist die Tierhaltung eine Hauptquelle für Stickstoff-Emissionen, daneben aber auch Verkehr, Industrie und Privathaushalte. In den Niederlanden verursacht Stickstoff, das im gasförmigen Zustand eigentlich reaktionsträge ist, gerade heftige politische Reaktionen. Die niederländische Regierung will die Stickstoff-Emissionen drastisch reduzieren und zieht damit den Zorn der Landwirte auf sich. Weil die Viehbestände schrumpfen sollen, blockierten Bauern zuletzt Autobahnen und Landstraßen, auch Grenzübergänge nach Deutschland. Dort ist der Stickstoff-Überschuss ebenfalls ein Problem. Der letzte Nitratbericht von 2020 stuft die Belastung des Grundwassers in Deutschland "weiterhin als zu hoch" ein, an 17 Prozent der Messstellen wird der zulässige EU-Schwellenwert überschritten.

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