Es ist eine unscheinbare, durchsichtige Substanz, die es aber in sich hat: Cyanacrylat lautet der wissenschaftliche Name für eine chemische Verbindung, die bei Raumtemperatur flüssig ist, aber bei geringsten Spuren von Feuchtigkeit (wie fast überall in der Luft) sehr schnell klebt. Bei der Zugabe bestimmter Beschleuniger hält die Verbindung binnen Sekunden - und das bei fast allen Materialien. Dies hatte 1942 eher zufällig der US-Chemiker Harry Coover entdeckt, der die Substanz eigentlich für optische Prismen in Zielfernrohren verwenden wollte und dabei deren extreme Klebrigkeit entdeckte. Unter dem im Sprachgebrauch üblichen Namen "Sekundenkleber" hat diese nun seit Jahrzehnten einen festen Platz im Baumarktregal für Modellbauer und alle Menschen, die schnell mal zerbrochenes Geschirr kitten wollen. Seit einiger Zeit wird er auch von Klimademonstranten erworben, die sich mit dem Superkleber am Asphalt festkleben, um den Verkehr zu behindern. Um das zu verhindern, hat die Stadt München jetzt gegen einige Aktivisten ein Mitführ- und Benutzungsverbot von Sekundenklebern erlassen. Für alle, die sich dennoch festkleben können, führt die Polizei organische Lösungsmittel mit, mit denen sich die Klebeverbindung binnen Sekunden wieder lösen lässt.
Aktuelles LexikonSekundenkleber
Chemische Verbindung, von Hobbybastlern und Klimaaktivisten gerne genutzt; aber der Besitz der Substanz ist in München jetzt manchen Personen untersagt.
Von Christian Weber