Küchenpsychologisch unterscheidet man bekanntlich zwischen denen, für die das Glas halb voll ist, und denen, für die es halb leer ist. Der Schwarzmaler aber weist nicht nur darauf hin, dass im Glas einiges fehlt, sondern auch darauf, dass es wohl bald ganz leer sein wird und überhaupt nicht klar ist, ob man es jemals noch mal aufgefüllt bekommt, weshalb man sich auf eine durstige Zeit einstellen muss. Wer so denkt, fokussiert nicht nur auf das Defizit, sondern verdüstert die ganze Aussicht. Dahinter steckt nicht selten die Hoffnung, dass es am Ende doch ganz anders kommen kann. In der wissenschaftlichen Psychologie spricht man von "defensivem Pessimismus", einer Strategie magischen Denkens, um das Schlimmste abzuwenden, indem man es beschwört. Seit dem Mittelalter wird die Farbe Schwarz mit Schmutz und Schlechtem assoziiert, auch weil sie aus Ruß gewonnen wurde. Genauso angenehm wirken Schwarzmaler auf etwas gelassenere Zeitgenossen. Insbesondere im Zusammenhang mit Klimakrise, Pandemie und Krieg verschwimmt die Grenze zwischen Schwarzmalerei und berechtigtem Alarm zunehmend. Auch in Unternehmen oder Organisationen wie der Bundeswehr sind Überbringer negativer Einschätzungen oft nicht gern gesehen und werden, wie sich etwa im Zusammenhang mit dem missglückten Afghanistan-Abzug zeigte, als Schwarzmaler verunglimpft. Haa
Aktuelles LexikonSchwarzmaler
Jemand, der die wichtige gesellschaftliche Funktion übernimmt, anderen die Laune zu verderben.
Von Meredith Haaf