Aktuelles Lexikon:Schafkopf

Ein Kartenspiel, das, so schwer es manchem fallen mag, in Bayern nicht seit Urzeiten heimisch ist.

Von Hans Kratzer

Auf der Instagram-Seite von Ministerpräsident Markus Söder ist ein Rucksack zu sehen, wie ihn alle Teilnehmer des G-7-Gipfels als Gastgeschenk erhielten. Er war nicht nur mit Viktualien gefüllt, sondern auch mit Schafkopf-Karten, damit - so schrieb Söder - Bayern in guter Erinnerung bleibe. Es ist ein beliebter Volksglaube, dass die Bayern das Schafkopfen schon bei ihrer Stammeswerdung erfunden haben. Überzeugender klingt die These, wonach das 1782 in einem sächsischen Katalog erstmals erwähnte Spiel erst im 19. Jahrhundert über das Erzgebirge nach Bayern kam, wo bis dahin vor allem das Tarockspiel gepflegt wurde. Rätselhaft ist auch der Name des Schafkopfspiels. Spielt hier das Schaf wirklich eine Rolle? Dagegen spricht die Bezeichnung Schaffkopf (mit zwei f), die gelegentlich noch geläufig ist und andeutet, dass früher auch auf Fässern und Bottichen (Schaff) gekartelt wurde. Ob der Name davon abgeleitet ist, lässt sich freilich ebenso wenig beweisen wie die Vermutung, Skat und Doppelkopf hätten sich aus dem Schafkopf entwickelt. Mit Blick auf die in Deutschland recht unterschiedlichen Varianten wohnt dem Schafkopfspiel ganz allgemein eine emanzipatorische Kraft inne. Immerhin schlagen Ober und Unter im Normalfall den König, was jederzeit als Ausdruck einer Renitenz gegen die Großkopferten interpretiert werden kann.

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