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Aktuelles Lexikon:Schadenersatz

VW und der moralische Totalschaden.

Von Angelika Slavik

Schadenersatz wird immer dann ein Thema, wenn Menschen oder Unternehmen Nachteile erleiden, die ein anderer verursacht hat. Der Schadenersatz ist also so etwas wie die Juristen-Variante des Es-tut-mir-leid-Blumenstraußes, bloß ohne Pralinen und kitschige Karte. Damit Schadenersatz zugesprochen werden kann, müssen Schaden und Schuld allerdings erst einmal in vollem Umfang bekannt sein. Bei Volkswagen und der Dieselaffäre war das offenbar nicht der Fall, wie ein internes Dokument nun nahelegt. Demnach konnte der Konzern erreichen, dass wichtige Erkenntnisse über den Abgasbetrug unveröffentlicht blieben - mit dem Ziel, weniger Schadenersatz leisten zu müssen. Ein moralischer Totalschaden, könnten Kritiker nun anmerken. Doch zumindest in der Literatur ist mit dem Schaden ja oft die Hoffnung auf Besserung verbunden: Auf dass einer klug werden möge, wegen des Schadens, den er erlitten oder verursacht hat. Ob das bei Volkswagen gelingt, wird die Zeit zeigen - allerdings ist die nicht immer gnädig: Im wohl berühmtesten Schadenersatzprozess der Bundesrepublik verklagte einst der Medienunternehmer Leo Kirch die Deutsche Bank, die er für die Pleite seiner Kirch-Gruppe verantwortlich machte. Der Rechtsstreit zog sich weit mehr als ein Jahrzehnt. Der Schadenersatz wurde schließlich seinen Erben zugesprochen.

© SZ/fzg
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