Es ist eine Kreuzung italienischer Schönheit mit niederdeutscher Pedanterie. "Picobello", das heißt so viel wie tadellos, blitzsauber. Italophile allerdings benutzen den Begriff eher nicht, jedenfalls nicht in Italien. Denn dem Italienischen "bello", also schön, wurde da ein recht un-mediterranes, niederdeutsches "pük" angeklebt, was so viel heißt wie ausgepickt, ausgesucht oder piekfein. Picobello, das klingt astrein italienisch, tatsächlich bezeichnet es aber eher das, was Deutsche von Italienern trennt: der Hang zum Perfektionismus. Wirtschaftsminister Robert Habeck wiederum, selbst ein Niederdeutscher, hat eben diesen Perfektionismus jetzt als Berufsleid auch der Politik ausgemacht. Erfolgreiche Menschen sollten aufhören, sich zu überfordern, auch mal Nein sagen und nicht immerfort beweisen müssen, "dass alles einfach so picobello nebeneinanderher geht", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Gemeint ist seine grüne Parteifreundin Anne Spiegel, die als Familienministerin zurückgetreten war. Nicht so picobello nebeneinanderher gingen bei ihr zwei Ministerposten, eine Flutkatastrophe, vier Kinder und ein erkrankter Ehemann. Ob Habeck allerdings sagen wollte, Spiegel habe sich bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu viel zugemutet oder aber die Erwartungen des Publikums seien zu hoch gewesen, das hat er picobello in der Schwebe gelassen.
Aktuelles LexikonPicobello
Wirtschaftsminister Robert Habeck hat dieses Wort dafür benutzt, um den deutschen Hang zum Perfektionismus zu beschreiben.