Schon bevor das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl feststeht, ist der Frust in Stuttgart groß. Denn der Name der Kandidatin, die im ersten Wahlgang auf Platz zwei landete, findet sich am kommenden Sonntag nicht mehr auf dem Stimmzettel. Die Grüne hatte versucht, die Dritt- und Viertplatzierten zum Rückzug zu bewegen, um möglichst viele Stimmen auf sich selbst - und damit gegen den überraschend erfolgreichen CDU-Mann bündeln zu können. Weil das nicht gelang, nahm sie sich selbst aus dem Rennen. Anlass zu solchen Verhandlungsversuchen gibt die Gemeindeordnung, die keine Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen vorsieht, wie sie zum Beispiel in bayerischen Kommunen üblich ist. Für Bürgermeisterwahlen in Baden-Württemberg gilt: Wenn niemand die absolute Mehrheit erreicht, kommt es zu einem zweiten Durchgang, der als "Neuwahl" bezeichnet wird. Bei der Neuwahl reicht die einfache Mehrheit zum Sieg. Sie steht dabei auch Kandidaten offen, die im ersten Wahlgang noch gar nicht dabei waren. In Stuttgart treten am Sonntag neun von ursprünglich 14 Bewerbern noch einmal an. Viele grünaffine Wähler wissen nun nicht mehr, wem sie ihre Stimme geben sollen. Der Ärger über die missglückten Verhandlungen hat offenbar sogar dazu geführt, dass jemand das Auto eines Kandidaten beschmierte.