Es ist ein bisschen unfair, Erdöl als „fossilen“ Energieträger zu bezeichnen in Abgrenzung zu den „regenerativen“ wie Biogas oder Biotreibstoff. Auch Erdöl ist einst aus Biomasse entstanden, aus abgestorbenen Kleinstlebewesen, überwiegend Algen, abgesunken in Ozeanen, lange bevor es Menschen gab. Damit aus Biomasse Erdöl werden kann, darf die Meeresströmung dort, wo massenhaft Algen wachsen und absterben, über lange Zeiträume nicht zu stark sein, damit sich die Biomasse am Boden sammeln kann. Dort darf es auch nicht zu viel Sauerstoff geben. Für die Umwandlung abgestorbener Biomasse in das Gemisch von Kohlenwasserstoffen, aus denen Erdöl besteht, braucht es außerdem hohen Druck und hohe Temperaturen in der richtigen geologischen Umgebung. Solche „Ölfallen“ sind nicht gleichmäßig über den Planeten verteilt. Besonders günstige Bedingungen herrschten einst dort, wo heute der Nahe Osten verortet wird. Dort lagert deshalb etwas weniger als die Hälfte der heute bekannten Ölreserven. Große Vorkommen gibt es auch in Venezuela, Kanada und Russland. Gut ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wurde zuletzt durch die Meerenge zwischen Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten transportiert, die gerade blockiert ist: die Straße von Hormus.
Aktuelles LexikonWas genau ist Erdöl?

Ein noch immer begehrter fossiler Rohstoff, der tatsächlich aus Biomasse entstanden ist, aber nur an manchen Orten der Welt. Gerade mal wieder knapp und teuer.
Von Hanno Charisius
