Aktuelles LexikonGlühwein

Eine beliebte, gesellschaftlich aber nur bedingt angesehene Form des vorweihnachtlichen Alkoholkonsums.

Von Martin Zips

In seinem Gedicht "Epilog" preist der Dichter Heinrich Heine Mitte des 19. Jahrhunderts die besondere Wärme, welche den Menschen erfüllt, "wenn er Glühwein trinkt und Punsch/Oder Grog nach Herzenswunsch/In den niedrigsten Spelunken/Unter Dieben und Halunken". Auch heuer rechnet der Handel wieder mit dem Ausschank von mindestens 50 Millionen Litern Glühwein in Deutschland. Das Zu-sich-Nehmen des in Mitteleuropa meist auf weihnachtlichen Märkten und in Pfandtassen aus China konsumierten Getränks zählt neben Punsch und Feuerzangenbowle zur wohl beliebtesten, wenn auch - siehe Heines Gedicht - gesellschaftlich nicht unbedingt angesehensten Form des kälteresistenten Alkoholgenusses. Für Mitteleuropa sind erste Glühweinrezepte bereits Anfang des 19. Jahrhunderts belegt, verwendet wird je nach Region entweder Rot- oder Weißwein, meist in minderer Qualität. Der Fusel wird angereichert mit Gewürznelken, Zimt, Zitronenschalen, Sternanis - und vor allem mit Zucker. So findet der Alkoholanteil von vorgeschriebenen sieben bis 14,5 Prozent, wenn er nicht irrtümlich auf mehr als 80 Grad erhitzt wurde und damit verdampft, rasch den Weg ins Hirn. In Verdis gleichnamiger Oper trinkt sich übrigens auch der Halunke, Prahlhans und Straßenräuber Falstaff mit eben jenem berühmten Gesöff einen ordentlichen Dusel an, was Heines anfänglich zitierte Vermutung nur noch einmal untermauert.

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