Aktuelles Lexikon:Fünfte Kolonne

Begriff, den besonders gern jene benutzen, die nicht wissen, was er bedeutet.

Von Joachim Käppner

Die Teilnehmer der Ostermärsche sahen sich harter Kritik ausgesetzt: Sie verharmlosten Russlands Angriffskrieg. Der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff hat die Osterdemonstranten sogar als "die Fünfte Kolonne Putins" beschimpft. Das erinnerte an den früheren CDU-Generalsekretär Heiner Geißler, der während der Nachrüstungsdebatte sogar die SPD in toto als "Fünfte Kolonne der anderen" schmähte, also der Sowjetunion. Hier wie dort steht der Begriff sinngemäß für "nützliche Idioten". Er bedeutet aber etwas anderes. 1936 drohte Emilio Mola Vidal, General der faschistischen Putschisten im Spanischen Bürgerkrieg, seine Streitkräfte in vier Kolonnen die von der Republik gehaltene Hauptstadt Madrid angreifen zu lassen. Dort aber stehe die "fünfte Kolonne" bereit, nämlich im Untergrund lauernde Faschisten, die von innen die Verteidiger der Stadt angreifen würden. Das war vor allem Geprahle, Madrid hielt stand und fiel erst 1939. Unter fünfter Kolonne versteht man seither subversive, in einem Land oder einer Kriegspartei aktiv für die Gegenseite kämpfende Kräfte. Laut der Encyclopædia Britannica gehören dazu auch Versuche, Entscheidungspositionen der Verteidigerseite zu besetzen und "von solchen Schlüsselposten aus" unter anderem "Spionage und Sabotage" zu betreiben.

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