An diesem Sonntag ziehen sie wieder los, ausgestattet mit Flaggen in Blau und Weiß. Der von national-religiösen Gruppierungen jährlich abgehaltene Flaggenmarsch durch die Jerusalemer Altstadt hin zur Klagemauer ist stets der Höhepunkt - und der heikelste Punkt - des Jerusalemtags, der in Israel als nationaler Feiertag begangen wird. Nach jüdischem Kalender fällt er auf den 28. Ijjar - auf jenen Tag also, an dem der arabische Ostteil Jerusalems im Sechstagekrieg von 1967 von israelischen Truppen erobert wurde. 1980 wurden diese Stadtgebiete offiziell annektiert und Jerusalem zur "ungeteilten Hauptstadt" Israels erklärt. International wird dies jedoch nicht anerkannt, die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres angestrebten Staats. Der Flaggenmarsch soll dagegen die volle Souveränität des jüdischen Staats über Jerusalem demonstrieren - und wird deshalb von den Palästinensern ebenso wie von eher linken Israelis als pure Provokation empfunden, zumal die Route in der Regel durch das muslimische Viertel der Altstadt führt. Krawalle bringt das seit Langem mit sich, und im vorigen Jahr eskalierte das sogar zu einem Krieg, als die Hamas mitten in den Marsch hinein Raketen auf Jerusalem abfeuerte. Solche Drohungen begleiten auch den Flaggenmarsch in diesem Jahr. Es herrscht wieder Explosionsgefahr in Jerusalem.
Aktuelles LexikonFlaggenmarsch
Eine Demonstration der israelischen Souveränität über Jerusalem, die allerdings nicht alle anerkennen.
Von Peter Münch