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Von Marie Schmidt

Kulturteil der Zeitung, Textart – und eine Geisteshaltung, die dem Bundeskanzler offenbar nicht sehr gefällt.

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Das zugleich einen Zeitungsteil, eine zwischen Literatur und Journalismus schwebende Textart und eine Geisteshaltung bezeichnende Wort „Feuilleton“ wird häufig mit Bewunderung und Spott in den Mund genommen. So klang es in der Regierungserklärung von Olaf Scholz an. Ob Deutschland sich als gespalten darstelle, „ist keine Frage für irgendein Feuilleton“, sagte er. Es werde bei der kommenden Wahl von Bürgerinnen und Bürgern entschieden. Die Gegenüberstellung von „echter“ Politik und „Gedankenspielen“ des Feuilletons stammt aus der Entstehungszeit der Massenpresse. Als während der bürgerlichen Revolutionen um 1800 das Nachrichtenaufkommen anwächst und die Drucktechnik sich entwickelt, entsteht jener etwa ein Drittel eines Druckbogens umfassende zusätzliche Raum und der Platz „unter dem Strich“ einer Zeitungsseite, wo Theaterprogramme, Fortsetzungsromane, Kritiken und Essays zur Unterhaltung stehen. Im Unterschied zum Hauptblatt heißt dieser Teil das Blättchen, französisch „Feuilleton“. Mit einer charakteristischen Mischung aus Recherche, Kunstverstand und Nachdenken werden dort bis ins heutige Zeitalter des Onlinejournalismus hinein Fragen zur Zeit erörtert.

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