Aktuelles Lexikon:Erdrutsch

In Venezuela haben starke Niederschläge zum Unglück geführt - und ein besonderes Wetterphänomen.

Von Christoph von Eichhorn

Umgekippte Autos, entwurzelte Bäume auf den Straßen und überall Schlamm: Das ist das Bild, das sich Rettungskräften und Überlebenden in Las Tejerías bietet. In der Kleinstadt in Venezuela, südwestlich von Caracas gelegen, haben starke Regenfälle zum Tod von mindestens 22 Menschen geführt, mehr als 50 gelten noch als vermisst. Viele wurden vermutlich von den Wassermassen überrascht, als mehrere Flüsse über die Ufer traten. Gleichzeitig gab es in diesem und anderen Orten heftige Erdrutsche. Ursächlich für dieses Abgleiten von Gesteinsmassen und Erde an einem Hang sind meistens Niederschläge, so auch in den bergigen Regionen Südamerikas. Das Wasser dringt in die eben noch gebundenen Erdschichten ein, die Schwerkraft sowie eine verminderte Haftreibung lassen Teile des Bergs in die Tiefe rutschen. Auch Erosion, Grundwasserveränderungen, Erdbeben oder vulkanische Aktivitäten können einen Erdrutsch auslösen. An dicht bewachsenen Hängen stabilisieren die Wurzeln von Pflanzen die Erdschichten und beugen so Geröll- und Schlammlawinen vor. Werden diese Flächen abgeholzt, kann das die Gefahr für Abgänge erhöhen. Die starken Regenfälle in Venezuela werden auf das periodische Wetterphänomen La Niña zurückgeführt. Dieses bewirkt unter anderem ein Abkühlen des Pazifiks sowie sehr nasses Wetter in Teilen Asiens, Afrikas und Südamerikas.

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