Urlauber aus dem Binnenland halten Deiche schon wegen der grasenden Schafe gern für eine hübsche Foto-Kulisse. Küstenbewohner aber können beim Anblick der Schutzwälle kaum vergessen, was schon das nächste Hochwasser anrichten kann, sollte der Deich doch brechen. Das Trügerische am Deich ist schließlich, dass, anders als beim Damm, die Gefahr nicht immer zu sehen ist: Er ist für den Ausnahmezustand da, für Sturmfluten, Starkregen, zu viel Wasser am falschen Ort so wie derzeit in vielen Regionen. An den deutschen und niederländischen Küsten deichte man einst erst Agrarflächen und Liegenschaften ein und ging im Mittelalter dazu über, stattdessen die Ufer quasi nachzuzeichnen und Deiche zu verbinden. Mythen umranken seit jeher den Deichbau, der früher eine Gemeinschaftsaufgabe war und heute Ländersache ist; Theodor Storms düstere Novelle "Der Schimmelreiter" von 1888 erzählt davon und auch vom Gestaltungswillen, den Deiche verkörpern. "Gott schuf das Meer, der Friese die Küsten", sagen Ostfriesen. Zählen die Flussdeiche mit, verfügt allein Niedersachsen heute über mehr als 1000 Kilometer Deichlinie. Doch längst gibt es auch andere Lösungen: In den Niederlanden und anderswo werden inzwischen auch Überflutungsgebiete geschaffen, in denen das Wasser versickern darf.
Aktuelles LexikonDeich
Von jeher nicht immer erfolgreicher Versuch der Menschen, Hochwasser und Fluten aufzuhalten.
Von Kia Vahland
