MeinungAktuelles Lexikon:Christkind

Portrait undefined Johanna Pfund

Von Johanna Pfund

Ein heute engelsgleiches Wesen, das vermutlich dem Reformator Martin Luther seinen Aufstieg verdankt.

Jetzt noch einmal die goldblonden Locken gekämmt, die Krone gerichtet und die Flügel geglättet: Dann ist das Christkind bereit für seinen großen Auftritt zur Eröffnung des Nürnberger Christkindlesmarkts am Freitag. Teresa Windschall heißt es im bürgerlichen Leben; sie hat zwar schon vergangenes Jahr ihr auf zwei Jahre befristetes Amt angetreten, doch fiel der Markt wegen der Pandemie aus, und die 1933 begonnene Nürnberger Tradition musste ausgesetzt werden. Das Christkind selbst gibt es natürlich schon viel länger und in vielen Varianten - als hübsch gezierte und dekorativ gewickelte Puppe etwa, das Fatschenkindl im österreichisch-bayerischen Raum, oder als Bringer der Geschenke am Heiligen Abend und Namensgeber zahlreicher Märkte. Wahrscheinlich war es ausgerechnet der Protestant Martin Luther, der dem heute in vielen katholischen Gegenden gepflegten Christkind zu seiner heutigen Bedeutung verholfen hat. Da er den Heiligenkult der katholischen Kirche ablehnte, soll ihm der Brauch, dass der heilige Nikolaus den Kindern Geschenke brachte, nicht gefallen haben. Also sollte statt Nikolaus ein geschlechtsloser "Heiliger Christ" die Gaben bringen. Im Laufe der Zeit machten die Gläubigen daraus das Christkind, es wurde engelsgleicher, in Nürnberg schließlich zu einem jungen Mädchen. Der Weg des Nikolaus hingegen, das ist eine andere Geschichte.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: