Adolf Hitler hatte am 30. April 1945 in seinem Bunker Selbstmord begangen, Berlin war seit dem 2. Mai in sowjetischer Hand. Hitlers Nachfolger Karl Dönitz bot nun den USA und Großbritannien eine Teilkapitulation an und schickte dazu Generaloberst Alfred Jodl in deren Hauptquartier nach Reims. Amerikaner und Briten lehnten dies aber als Versuch ab, die westalliierten Mächte gegen die Sowjetunion auszuspielen. Jodl musste in Reims am 7. Mai die bedingungslose Kapitulation der Streitkräfte Nazideutschlands unterzeichnen, sie trat am 8. Mai 1945 um 23.01 Uhr in Kraft. Seither gilt dieses Datum fast überall als Tag des Kriegsendes in Europa, nicht aber in Russland. Der sowjetische Diktator Josef Stalin hatte nämlich auf einer offiziellen Ratifizierung unter Beteiligung seines Landes bestanden, das die Hauptlast des Krieges getragen hatte. Dies geschah am 9. Mai in Berlin-Karlshorst, in der sowjetischen Zone. Anwesend waren Vertreter der USA, Großbritanniens, Frankreichs und der Sowjetunion sowie die Wehrmachtführung. Wegen dieser Symbolik galt in der UdSSR wie nun in Russland der 9. Mai als eigentlicher Tag des Sieges und wird meist mit einer großen Militärparade in Moskau begangen.
Aktuelles Lexikon9. Mai 1945

Sowjetischer Panzer von 1945 – als Denkmal vor dem Deutsch-Russischen Museum Berlin-Karlshorst.
Britta Pedersen/dpaDas Datum, an dem Russland traditionell den Sieg über Hitlerdeutschland feiert – einen Tag später als die übrigen Nationen der Siegermächte, aus einem bestimmten Grund.
Von Joachim Käppner