Aktuelles Lexikon:Alphatier

Angeblich ein Auslaufmodell, auch wenn im Süden der Republik noch einige Exemplare durchs politische Unterholz streifen.

Von Paul Munzinger

In der Berliner Zeitung war kürzlich ein Text über den neuen FC-Bayern-Boss Oliver Kahn zu lesen, der die Überschrift "Die Zeit nach den Alphatieren" trug. Für all diejenigen, die Kahns Würg- und Trittattacken auf Freund und Feind noch vor dem inneren Auge haben, mag das eine mindestens überraschende Vorstellung sein: der Torwarttitan von einst als Geburtshelfer einer samtpfötigen Firmenkultur beim breitbeinigsten aller breitbeinigen Fußballvereine? Kein Zweifel: Das Alphatier, das ranghöchste Exemplar einer Gruppe, mag die erfolgreichste der vielen Tiermetaphern sein, die es in die Welt der Menschen geschafft haben, dicht gefolgt von Silberrücken und Haifischbecken. Aber da dem Alphatier ein Überschuss an Dominanz und ein Mangel an Empathie nachgesagt werden, will so heute kein Mensch mehr gesehen werden - ganz besonders Männer nicht, die auf dem Weg nach oben vielleicht doch ein paar Beta-Weibchen und Omega-Männchen weggebissen haben. Das gilt auch für die Politik, wo Norbert Walter-Borjans soeben das "Alphatiergehabe" zum "Auslaufmodell" erklärte, dabei aber womöglich von sich auf andere schloss. Walter-Borjans, bald scheidende Hälfte einer SPD-Doppelspitze, ist wölfischer Verhaltensweisen tatsächlich eher unverdächtig. Doch gerade im Süden sollen noch ein paar Leitwölfe durch die politische Landschaft streifen.

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