Coronavirus:Impfen mit Miss Germany

Mit einer "Aktionswoche" soll die Bevölkerung wachgerüttelt werden. Das ist richtig, klingt aber auch ein wenig verzweifelt.

Von Angelika Slavik

Es ist zunächst eine gute Nachricht, wenn in die maue Kommunikationskampagne rund um die Corona-Impfung nun ein bisschen Schwung bkommt. Handelsketten engagieren sich, Testimonials vom Fußballnationalspieler bis zur Miss Germany werben für den Piks. Es sieht aus wie eine große Sache. Man spürt auch beste Absichten. Das Problem dabei ist: Die Aktion kommt spät - und deshalb wird sie nun getrieben von der nackten Verzweiflung.

Die Impfkampagne stockt seit Wochen, und dafür gibt es viele Gründe. Einer davon ist natürlich auch, dass die gesamte Kommunikation rund um die Impfung mehr als durchwachsen gelaufen ist. Das Gezerre um den Astra-Zeneca-Impfstoff war sehr misslich, der riesigen Menge an Falschmeldungen im Internet setzte man von offiziellen Stellen lange nichts und dann viel zu wenig entgegen. Dazu kommt, dass wissenschaftliche Prozesse wie Impfstoffentwicklung, Impfempfehlungen und Zulassungsverfahren für Laien ganz grundsätzlich schwer zu verstehen sind. Auf all diese Probleme hatten die Kommunikationsexperten der Bundesregierung nie eine passende Antwort. Der Bund verließ sich darauf, dass Länder und Kommunen das schon regeln werden - und umgekehrt.

Passend dazu wirkt auch die jetzt initiierte "Aktionswoche" halbgar, beinahe unfertig. Es ist schön, dass Handelsunternehmen Werbeflächen zur Verfügung stellen. Noch schöner wäre es, sie würden mit Rabatten für Geimpfte echte Anreize geben - schließlich zeigte sich, dass selbst kleine Geschenke wie die nun schon legendäre Gratis-Bratwurst einen Unterschied machen können. Es ist auch schön, dass das Bundesgesundheitsministerium einen Hashtag erfunden hat - #HierWirdGeimpft -, mit dem Vereine ihre Impfaktionen bewerben können. Noch schöner wäre es, würde es auch bei der Umsetzung helfen. Will die Bundesregierung die Impfmüdigkeit bekämpfen, will sie den Sorgen der Zögernden etwas entgegensetzen, dann ist diese Aktionswoche ein netter und sehr kleiner Anfang. Mehr aber auch nicht.

© SZ/jsl
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